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Lucas van Valkenborch d. J: Der Turm von Babel. Mainz, Landesmuseum

Stadt des Marduk und Zentrum des Kosmos

Irak, 1898-1917

Mit dem Ausgang des 2. Jts. v.Chr., dem Ende der Späten Bronzezeit, erlebte Vorderasien einen tiefgreifenden Umbruch; vollständige Zerstörung bedeutender Städte, Völkerbewegungen wie die der Aramäer, der «Seevölker», der iranischen Stämme, Zusammenbruch oder Machtverlust der Großreiche, politische, soziale, technologische Umwälzungen. Die Strukturen, die aus diesem Chaos hervorgingen, waren in vieler Hinsicht neu. Aber zwei Städte bewahrten ihre alten Überlieferungen und Institutionen und wurden zum Kristallisationspunktder neuen politischen Gliederung: Im Norden Assur, die Hauptstadt Assyriens, von der aus seit dem 10. Jh. v.Chr. das Neuassyrische Reich errichtet wurde, und Babylon im Süden. Mehrere Jahrhunderte lang war Babylon eher ein Spielball in der Auseinandersetzung zwischen Assyrern und den in Babylonien siedelnden Aramäerstämmen. Aber der Mythos der alten Metropole wirkte auf beide Parteien. Der Einfluß Babylons auf die Assyrer wuchs stetig. Schon der große Eroberer Salmanassar III. besuchte im 9. Jh. v. Chr. die vornehmsten babylonischen Heiligtümer, darunter vor allem Esagil in Babylon. Assyrische Könige nahmen im 8. Jh. v. Chr. nach der Eroberung Babyloniens die Würde eines Königs von Babylon an, trugen in dieser Eigenschaft einen zweiten Namen und vollzogen die vorgeschriebenen Riten wie die Ergreifung der Hand der Mardukstatue. Dasselbe taten aber auch die Gegner der Assyrer, die Scheichs der Aramäerstämme, die sich immer wieder zu Königen Babylons proklamierten und neue Dynastien zu begründen versuchten.

Das Verhalten der Bevölkerung und der Priesterschaft war ambivalent, im Zweifelsfalle schlugen sie sich auf die Seite der stärkeren Bataillone. Der Assyrerkönig Sanherib, der einer antibabylonischen Partei in Assyrien zuneigte, versuchte eine radikale Lösung: Nachdem er Babylon wiederholt erobert und wieder verloren hatte, ließ er 689 v. Chr. die Stadt samt ihren Tempeln gründlich zerstören. Die Mardukstatue wurde nach Assyrien überführt, und man versuchte, den Mardukkult auf den assyrischen Hauptgott Assur zu übertragen. Sogar das Weltschöpfungslied Enuma elisch wurde umgeschrieben und auf Assur bezogen. Doch Babylons Mythos war stärker. Schon Sanheribs Sohn und Nachfolger Asarhad-don baute die Stadt wieder auf, stellte ihre Heiligtümer am alten Orte wieder her und gab die Mardukstatue zurück.

Gleichwohl fiel die Stadt zwei Generationen später wieder in die Hände der Aramäer: Der Aramäer-Fürst Nabupolassar nahm die Würde eines Königs von Babylon an. Zusammen mit den Medern hatte er einen entscheidenden Anteil an dem Untergang des Assyrerreiches. Die Zerstörung von Assur 614 v. Chr. und Ninive 612 v.Chr. war gleichzeitig der Anfang der letzten großen Blütezeit Babylons, der Epoche des Neubabylonischen Reiches, dessen bedeutendster Herrscher, Nebukadnezar IL, eine Bautätigkeit von bis dahin unbekannten Dimensionen entfaltete. Das Ende des Neubabylonischen Reiches ist auch das Ende von Babylons Rolle als Zentrum einer Großmacht. 539 v. Chr. wird es in das Perserreich einbezogen, das sich zu dieser Zeit schon von Ostiran bis zur Ägäis erstreckte.

Der Mythos der Stadt wirkte aber auch noch auf den Perserkönig Kyros II., der den Titel eines Königs von Babylon führte, die Hand der Mardukstatue ergriff und traditionelle babylonische Inschriften in Keilschrift herstellen ließ. Erst Xerxes zerstörte Esagil und die Mardukstatue, nachdem die Babylonier sich zum wiederholten Male gegen die persische Herrschaft aufgelehnt hatten. Gerade dies mag für Alexander den Großen ein Grund gewesen sein, nach seiner Eroberung des Perserreiches Babylon als Hauptstadt seines Weltreiches zu bestimmen. Er ist der letzte Herrscher, der dem altorientalischen Mythos der Metropole am Euphrat verfallen war. Danach beginnt sich aus Herodot und anderen antiken Quellen sowie vor allem aus dem Alten Testament ein neuer «Mythos» zu entwickeln, der in der europäisch geprägten Geistesgeschichte bis auf den heutigen Tag präsent ist.

In einer Übersicht über die Ausgrabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft kann dieser letzte Aspekt nicht weiter verfolgt werden. Es versteht sich aber fast von selbst, daß es der besondere Klang des Namens «Babylon» war, der immer wieder Reisende und Forscher in die Ruinen der Stadt führte und der schließlich auch die Wahl des Ortes als Ziel des ersten Feldforschungsunternehmens der DOG mitbestimmte.

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