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Hattuscha. Die Hauptstadt der Hethiter

Türkei, 1906-1911

1893/94 unternahm der französische Ausgräber Ernest Chantre erste Sondagen in dem Felsheiligtum Yazilikaya, auf der Königsburg Büyükkale und beim Großen Tempel; dabei kamen Siegelabdrücke und Tontafeln zutage.

 

Der entscheidende Schritt zur Erforschung der hethitischen Hauptstadt sollte im Oktober des Jahres 1905 erfolgen, als der Berliner Assyriologe Hugo Winckler (Abb. 118) nach Boğazköy kam, um den Tontafelfunden nachzugehen. Als einen der Fundorte stellte er den Westabhang der Königsresidenz Büyükkale («Große Burg») fest. Am 17. Juli des folgenden Jahres begann an dieser Stelle die erste Grabungskampagne, die etwa 2500 Tontafelbruchstücke erbrachte. Für die Finanzierung hatte Winckler zwei Privatleute sowie die von ihm selbst mitgegründete Vorderasiatische Gesellschaft und das Orient-Comité gewinnen können. Leiter der Feldarbeiten war

Zeit erst 44jährigen Winckler und dessen Freund Makridi Bey folgendermaßen:
 «Ein paar Wochen später traf ich in Konstantinopel mit dem Assyriologen Prof. Hugo Winckler und dem Architekten Daniel Krencker zusammen; wir fuhren mit der kleinasiatischen Bahn bis Angora und reisten von da ab zu Pferde fünf Tage lang nach dem in der Mitte von Kappadokien 1000 m über dem Meer in einer Gebirgslandschaft gelegenen Boghaskiöi-Dorf beim Gebirgspaß, um die dort schon 1906 von Winckler und seinem Freund Makridy Bey begonnenen Ausgrabungen und Untersuchungen der Ruinen der, wie sich aus keilinschrift-lichen Funden ergeben hatte, Hauptstadt des Hattireiches der zweiten Hälfte des zweiten Jts. v. Chr. mit größeren Mitteln und in erweitertem Umfang fortzusetzen. Ich hatte mich sehr auf die Zusammenarbeit mit einem Orientalisten gefreut, den ich mir nicht anders vorstellen konnte denn als weitgereiste weltmännische Persönlichkeit, und war daher nicht wenig überrascht, in Konstantinopel in Winckler einen unscheinbar aussehenden Herrn zu finden, dem mit seinem braunen ungepflegten Vollbart, dem Sporthemd mit rotseidener Kordel, das er trug, und seinem kleinbürgerlichen Gehaben, das sich schwer in den wirklichen Orient fand, zum Weltmann alles fehlte. Er war als As-syriologe ein. hervorragender Gelehrter, aber da es ihm noch nicht gelungen war, von den wenigen Lehrstühlen, die es für seine Wissenschaft an den deutschen Universitäten gab, einen zu erreichen, war er voll Ressentiment gegen alle, die erfolgreicher waren als er. Und da ihn damals schon das Leiden quälte, dem er wenige Jahre später erlag, so fielen ihm die Strapazen der Reise schwer. Aber darin war er ein echter Deutscher, daß er die Beschränktheit seiner realen Existenz durch eine Theorie zu einem riesigen Reiche erweiterte, in dem er nach Herzenslust schaltete und waltete. Nach der von ihm ausgeheckten panbabylonischen Weltanschauung stammte alles, was auf der Welt schön und groß war, aus Babylonien, und weil nun die modernen Humanisten Geburt und Wiedergeburt des europäischen Geistes von den Griechen herleiten, so waren sie es, denen seine tiefste Gegnerschaft galt. Es war nicht zu vermeiden, daß sie bald auch gegen mich ausbrach. Winckler hatte, obwohl er leidenschaftlicher Antisemit war, für seine Forschungen schon mehrere Jahre hindurch Hilfe bei jüdischen Finanzleuten in Berlin gefunden, die sich für altorientalische Studien interessierten, und hatte bei einer freilich ergebnislosen Expedition nach Saida, dem antiken Sidon in Phönizien, wo er hoffte, die großartigen Entdeckungen der sidonischen Königsgräber durch Hamdy Bey fortzusetzen, die Bekanntschaft des energischen jungen Beamten am Ottomanischen Museum in Konstantinopel Makridy Bey gemacht, dem er seitdem in engster Freundschaft verbunden blieb.

Makridy Bey war die merkwürdigste Mischung von halbgelehrtem Dilettanten und leidenschaftlichem Enthusiasten, von seinem Vorgesetzten Halil Bey treu ergebenem Beamten und heimlichem Händler, von ruhelosem Explorator und plötzlichem gleichgültigem Genußmenschen, von Noblesse und Liebenswürdigkeit heute, von zynischem Intrigantentum morgen ... Das ganze Land von Boghas-kiöi gehörte dem reichen Zia Bey von seldschukischem Adel, der, wie Abdul Hamid diese älteste Aristokratie seines Reiches fürchtete, die Grenzen seiner Provinz nie verlassen durfte ... Zia Bey pflegte trotz seiner Verbannung, in der er nur selten europäischen Besuch hatte, eine gewisse Verehrung für die Wissenschaft und hatte daher, als ein Bauer beim Pflügen in der Nähe des sogenannten großen Tempels zufällig eine Tontafel mit Keilinschrift fand, diese an das Ottomanische Museum nach Konstantinopel gesandt. Dadurch wurde Makridy Bey auf die Bedeutung von Boghaskiöi aufmerksam .. .»

Die Keilschriftfunde aus den Kampagnen der Jahre 1906-1912 erbrachten über 10000 Keilschrifttafeln bzw. Fragmente. Auf dieser reichen Textbasis gelang dem tschechischen Gelehrten Bed-fich Hrozny im Jahre 1915 die Erschließung der hethitischen Sprache und der Nachweis, daß das Hethitische zur indogermanischen Sprachfamilie zu zählen sei.81 Kaum zehn Jahre danach stand die junge Hethitologie im Mittelpunkt einer mit großem Engagement ausgetragenen Kontroverse, nachdem der in Berlin arbeitende Schweizer Hethitologe Emil Forrer einen Aufsatz veröffentlicht hatte, in dem er einen Zusammenhang zwischen den homerischer! Achäern und dem in hethitischen Texten begegnenden Landesnamen Ahhijawa herstellte, ebenso zwischen Troja und Taruišša sowie zwischen Ilion und Wiluša.82 Die Edition der Keilschrifttafeln, die in den Grabungen Wincklers und Makridis gefunden wurden, füllt inzwischen rund 60 Bände und ist immer noch nicht abgeschlossen.
 

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