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Der Große Tempel in der Unterstadt von Hattuscha nach den Ausgrabungen

Hattuscha. Die Hauptstadt der Hethiter

Türkei, 1906-1911

Nachdem die Deutsche Orient-Gesellschaft bald nach ihrer Gründung mit Babylon und Assur zwei Hauptstädte des alten Zweistromlandes auszugraben begonnen und sich auch in Ägypten engagiert hatte, finanzierte sie 1907 eine Grabungskampagne in den Ruinen bei dem türkischen Dorf Boğazköy (Boghazköi). Der Assyriologe Hugo Winckler (1863-1913) hatte hier bereits ein Jahr zuvor zusammen mit Theodor Makridi, einem Beamten des Ottomanischen Museums in Istanbul, zu graben begonnen, doch hatte sich sein Grabungsbudget als unzureichend herausgestellt. Die Bilanz der DOG verzeichnet für Boğazköy wie auch in anderen Fällen die «Zuwendung eines Vorstandsmitglieds», und nur den Eingeweihten war bekannt, daß wieder einmal James Simon persönlich eine DOG-Grabung finanziert hatte. Winckler war vor allem an der Gewinnung von Keilschrifttexten interessiert; die archäologische Untersuchung der Ruinen war nicht seine Sache, und daher wurde vereinbart, daß das Archäologische Institut eine parallele Expedition zur Untersuchung der Baudenkmäler organisieren und finanzieren werde.

 

Die «Hethiterfrage» im 19. Jh.

Durch dieses Unternehmen traten die damals noch so gut wie unbekannten kleinasiatischen Hethiter in das Licht der Geschichte. Im Gegensatz zum Reich der Pharaonen und zu Babylonien und Assyrien war ihr Reich nach seinem Zerfall am Anfang des 12. Jhs. v. Chr. schnell in Vergessenheit geraten, obwohl es immerhin rund 400 Jahre Bestand hatte. Zwar wurden manche der hethitischen Städte von Phrygern wiederbesiedelt, manche heiligen Plätze auf Bergen oder an Quellen genossen weiter Verehrung, und selbst manche der hethitischen Mythen wurden in veränderter Form von den
 Griechen tradiert, aber eine Erinnerung an das einstmals so mächtige Reich der hethitischen Großkönige findet sich weder bei Homer noch bei Herodot oder sonst in der klassischen Überlieferung. Hinweise auf die Hittîm im Alten Testament beziehen sich lediglich auf die späthethitischen Kleinstaaten, die im 1. Jt. v. Chr. in Südanatolien und in Syrien noch eine Weile fortbestanden.

Vor der Entdeckung von Boğazköy wußte man aus ägyptischen Quellen (von Thutmosis III. im 15. Jh. v.Chr. bis zu Ramses II. im 13. Jh. v. Chr.) von einem großen Reich der Cheta, gegen das Ramses II. in der Schlacht von Kadesch gekämpft und mit dem er 15 Jahre später einen Friedensvertrag geschlossen hatte. Aus dem Vertrag war bekannt, daß Ägypdie Hethiter am Ende des 19. Jhs. zusammen.57 Für das damalige Interesse an der bereits erahnten Bedeutung der noch geheimnisvollen Hethiter und für die damit verbundenen Spekulationen sind die folgenden Worte Müllers charakteristisch:
«Die Hetiter sind das jetzige Modevolk dilettantischer Historiker. Als man sie vor einigen Jahren entdeckte und den Zusammenhang der Hetiter - H-tà -Hatte und der Denkmäler mit den zuerst «hamathenisch» genannten Hieroglyphen bemerkte, bemächtigte man sich dieses Fundes mit Gier, und jetzt spielen sie dieselbe Rolle für Vorderasien, welche einst in Europa die berühmten , dann die  usw. hatten, d.h. siewurden Lückenbüßer für die altorientalische Geschichte, verwendbar bei allem Unerklärlichen. Bald in diesem bald in jenem Teil Syriens läßt man sie wohnen, meist natürlich in Palästina oder bei Kadeš, im ersten Fall als hamitische Ka-naanäer, im zweiten natürlich als  d.h. undefinierbare Semiten>. Jetzt ist es allerdings mehr Mode, sie noch undefinierbarer als oder zu bezeichnen. Da solche nebelhafte Rassen sich gut zu  eignen, hat man sogar die These versucht, die Hetiter seien die Vorgänger der Semiten, die Urbevölkerung Syriens, deren Reste sich noch in historischer Zeit da und dort nachweisen ließen.»

Allerdings war wenige Jahre zuvor mit der Entdeckung des Archivs von Teil el-Amarna am Ostufer des Nils die keilschriftliche Korrespondenz der Könige Amenophis III. und IV. mit ihren syrischpalästinischen Vasallen und mit den Herrschern der vorderasiatischen Staatenwelt bekannt geworden. Aus diesen Briefen war zu erfahren, daß der König von Hatti als Gegner der Pharaonen in' Syrien eingefallen war. Vor allem aber lag nun der Schluß nahe, daß der Schwerpunkt des Hethiterreiches in Kleinasien zu suchen war.

1903 faßte der Assyriologe Leopold Messerschmidt das neue Geschichtsbild folgendermaßen zusammen:
«Neben den beiden großen Kulturkreisen des alten Vorder-Asien, dem ägyptischen und dem babylonischen, tritt uns im Norden, hauptsächlich in Klein-Asien, noch ein dritter entgegen, den wir uns als den hettitischen zu bezeichnen gewöhnt haben. Über diesen und seine Geschichte sind wir noch verhältnißmäßig wenig unterrichtet, da gründliche Ausgrabungen außer an ein oder zwei Stellen noch gar nicht stattgefunden haben, da die hettitischen Inschriften uns ihre Geheimnisse noch vorenthalten, und die ägyptischen und assyrischen nur so viel vermuten lassen, als die Berichte über kriegerische Zusammenstöße mit sich brachten.»
 

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