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Luftbild von Hatra.

Marmorstatue des Königs Sanatruq I. (reg. 167-190) aus dem Tempel X von Hatra. Der Herrscher ist mit prächtiger, über und über mit Perlen bestickter parthischer Kleidung dargestellt.  
Hatra: Feldarchäologie im Schnelldurchlauf

Irak, 1907-1911

Sicher interessant war schon die Lage der Stadtruine, fernab von allen damals begangenen Routen, denn es war noch immer ein Rätsel, wieso Hatra einst in dieser Isoliertheit eine blühende Stadt hatte sein können, die es sogar mit den mächtigen Römern aufzunehmen wagte. Etwa 50 km westlich von Assur und ca. 90 km südwestlich von Mosul entfernt, liegt westlich des mittleren Tigrislaufes - unweit des Wādī t-Tartār - die Ruine der Stadt Hatra auf einer weiten erhöhten Ebene, wozu W. Andrae bemerkt: «Im Westen und im Süden [davon, J. M.] breitet sich die unabsehbare, wellige Steppe aus ohne Ruhepunkte für das Auge, nach Norden hin bringt nur das Wadi Tharthar ein sehr flaches Relief in diese Ebene. Das Sindschar-Gebirge im Norden ist von Hatra aus fast immer zu sehen, und umgekehrt liegt die mesopotamische Ebene vom Sindschar aus gesehen bis zum verschwimmenden Horizont ohne teilende Höhenzüge vor dem Beschauer.»

Eine Lage also, die nicht eben einladend wirkte und die dazu beigetragen haben mag, daß Europäer erst spät von dieser Stätte berichteten. So gilt der Engländer J. Ross, der in den Jahren 1836 und 1837 nach Hatra kam und als erster 1839 eine Beschreibung der Stadt veröffentlichte, als Entdecker. Der nächste Besucher war, drei Jahre später, W. Ainsworth, in dessen Gefolge sich der junge Austen Henry Layard - der spätere Ausgräber von Ninive - befand, dem wir einen ersten schlüssigen Palastplan verdanken. Es war demnach zu Andraes Zeiten nicht viel bekannt, was man über den Ort selbst hätte berichten können. Dieses wenige allerdings war immer noch verlockend genug. So wurde deutlich, daß Hatra in der Antike den Weg von Seleukia am Tigris über Singara nach Nisibis und Edessa - also den Weg vom Golf zum Mittelmeer - beherrschte und damit zu einem wichtigen Posten des parthischen Reiches zu zählen war.

Aus dem Handel, der hier zwischen Römern und Parthern Station machte, erwuchs ein Reichtum, der sich alsbald in einer aus verschiedenen Quellen schöpfenden, ausdrucksstarken Kunst und Architektur äußerte. Die Inschriften aber, die man schon zu Beginn erfaßte, zeigten, daß sie mehrheitlich in einem auch in Assur gebrauchten Aramäisch verfaßt waren und daß die Namen eher auf eine eigenständige aramäisch-arabische Halbnomaden-Bevölkerung hindeuteten, wenn auch die Titel parthisch blieben. So hatte also das alte Hatra ganz offenbar die Rolle eines unabhängigen Pufferstaates zwischen den Römern und dem großen Reich der Parther gespielt, von denen in Assur schon ein bedeutender Palastkomplex bekannt geworden war.

An einheimischen Quellen stehen uns nur aramäische Inschriftenfunde zur Verfügung, die lediglich einen Entwurf der Stadtgeschichte zulassen. So erfährt man von einem Worod genannten Herrscher, der zwischen 100 n.Chr. und 117 n.Chr. regiert haben soll und dem man den zentralen Tempel verdankt, während 138 n.Chr. Nasru, der Erbauer des Schamasch-Heiligtums, herrschte, dem um 149 n. Chr. ein gewisser Worod II. folgte. Der quadratische Tempel dagegen wurde um etwa 177 n. Chr. von Sana-truq I. veranlaßt. 231 n.Chr. schließlich erstieg Sanatruq II. den Thron, ein großer König, von dem es -wie von seiner Gemahlin Abbu, Tochter der Dunari - zahlreiche Statuen gibt. Unter seiner Regierung fiel jedoch die Stadt auch den Eroberern in die Hände.

Ergänzende äußere Nachrichten erstrecken sich ebenfalls nur über etwa 150 Jahre und stammen vorwiegend aus dem Umkreis der römisch-haträischen Auseinandersetzungen und ihrer Folgen. So erfahren wir durch Cassius Dio vom erfolgreichen Widerstand Hatras in zwei Belagerungskampagnen (117 n.Chr. unter Trajan, 197 n.Chr. unter Septimius Severus). Die Einwohner setzten dabei Naphta ein, um die römischen Belagerungsmaschinen in Brand zu setzen. Doch schon unter Severus Alexander verbündet sich Hatra mit Rom, um den immer mächtigeren Sasaniden zu trotzen, und so liegt schon vor 230 n. Chr. eine römische Garnison in der Stadt, wie lateinische Inschriften zeigen. Dennoch wurde Hatra im April 240 n.Chr. von Schapur I. (240-271 n. Chr.) erobert, der damit eine wichtige Handelsstation einnahm und der Blüte der Stadt ein Ende bereitete. Nach Plünderungen und Zerstörung durch die Sasaniden blieb die Stadt verlassen und wurde seit spätestens der Mitte des 4Jhs. n. Chr. nie wieder bewohnt.
 

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