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Abb. 1) Der Fundort.

Abb. 2a) „Standarte“ von Shahdad mit Darstellung einer Bankettszene.  

Abb. 2b) „Standarte“ von Shahdad mit Darstellung einer Bankettszene (Umzeichnung).  

Abb. 3) Eine anthropomophe Halbkörperstatuette aus ungebranntem Ton in Fundlage.  
Reconsidering Shahdad Project (Iran)

Iran, 2019

„Reconsidering Shahdad Project“

Neubearbeitung des bronzezeitlichen Fundortes Shahdad (Islamische Republik Iran)

Der archäologische Fundort Shahdad ist am westlichen Rand der Wüste Dasht-eh Lut, circa 80 km östlich der Provinzhaupstadt Kerman, gelegen. Aufgrund seiner Lage entlang der Routen der sogenannten Seidenstraße sowie der für Landwirtschaft geeigneten Böden, verfügt der Ort über eine lange Besiedlungsgeschichte vom Neolithikum bis in die heutige Zeit. Während der Zeit des Mittelalters wurde der Ort „Khabis“ genannt und war eine wichtige Karawanenstation an der Kreuzung auf den Wegen von Zentralasien an den Persischen Golf sowie über das Iranische Hochland in Richtung Zweistromland. Die Untersuchungen des archäologischen Fundortes erfolgten durch den archäologischen Dienst der iranischen Kulturbehörde während des Zeitraums von 1968 bis 1977 unter der Leitung von Ali Hakemi sowie Anfang der 1990er durch Mir Abd al-Din Kaboli und in den letzten Jahren durch Nasir Eskandari. Im Zuge der ersten Feldarbeiten wurden zahlreiche Körperbestattungen mit teilweise sehr reichen Grabbeigaben innerhalb der Grablegungen dokumentiert sowie ebenfalls domestikale Architekturreste, die alle größtenteils in die Phase der Mittelbronzezeit in den Zeitraum von circa 2200 bis 1800 vor Christus datiert werden können. Der Großteil der hier dokumentierten Objekte zählt zu den Fundgruppen Metall, Ton und Stein, wobei auch Reste von Textilien sowie Fragmente anderer organischer Flechtwerke gefunden wurden. Die außergewöhnlichsten Fundstücke, die für den geographischen Raum der Vorderasiatischen Altertumskunde bisher ausschließlich an diesem Ort dokumentiert werden konnten, sind eine Vielzahl von individuellen Darstellungen antropomorpher Halbkörperstatuen aus ungebranntem Ton sowie die sogenannte „Standarte“ von Shahdad. Bei letztgenanntem Objekt handelt es sich um ein annähernd quadratisches Bronzeblech mit einer ritzverzierten, szenischen Darstellung, das an einer langen Bronzestange auf einem konischen Steinfuss angebracht gewesen war, und daher als ältestes Beispiel der Menschheitsgeschichte für eine Standarte bzw. Fahne gesehen wird. Das weitere Fundmaterial verfügt aufgrund seiner distinkten Formen und Verzierungen bisher über einen typologisch sehr isolierten Charakter und weist nur in geringem Maße Gemeinsamkeiten zu vergleichbaren Objekten aus zeitgleichen Fundorten der Region auf. Die nächsten Parallelen in Hinblick auf Typologie und Materialforschung können in der Mehrzahl bisher nur zu Objekten nachvollzogen werden, die sich außerhalb der modernen Grenzen Irans im Norden und Osten befinden.

Die bisherige wissenschaftliche Vorstellung dieses wichtigen Fundortes geschah mit einer Monographie im Rahmen der Reihe „Reports & Memoirs“ des IsMEO im Jahre 1997, wo die einzigartigen Funde und Befunde erstmals umfassend der Fachwelt präsentiert wurden und somit als grundlegende Vorlage für folgende wissenschaftliche Arbeiten diente. Im Verlauf weiterer wissenschaflicher Bearbeitungen, die seit 2005 durchgeführt werden, konnte dargelegt werden, dass diese grundlegende Monographie in nicht geringem Maße über dokumentatorische sowie systematische Defizite verfügt, die eine Neubearbeitung dieses bisher einmaligen Fundkomplexes rechtfertigen. Im Rahmen des „Reconsidering Shahdad Project“  wird nun das Fundcorpus von Shahdad, das größtenteils in den Magazinräumen des Iranischen Nationalmuseums in Tehran aufbewahrt wird, sowie auch teilweise in Sammlungen von regionalen archäologischen Museen eine neue Heimat gefunden hat, anhand moderner wissenschaftlicher Herangehensweisen in Gänze neu aufgenommen und bewertet. Diese Arbeiten beinhalten nicht nur typologische Studien sowie eine zeitgemäße Fundaufnahme, sondern ebenfalls archäometrische Studien, um den technologischen Grad der Objekte sowie die chemische Zusammensetzung der Objekte beziehungsweise die Herkunft der verwendeten Rohstoffe soweit möglich zu untersuchen. Des weiteren wird unter Verwendung der originalen Grabungsdokumentation der Versuch unternommen, die bisher publizierten Daten auszuwerten, um letztendlich anhand der vorhandenen Grundlagen nach mehr als 50 Jahren nach der Entdeckung dieses bisher unterbewerteten Fundortes dessen kulturhistorischer Bedeutung in adäquater Weise Tribut zu zollen.

 

Kontakt

Dr. David M.P. Meier (dmpmeier@googlemail.com)