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Abb. 1. Der befestigte Eingang in das Rabana-Tal, März 2019 (Foto: M. Brown/Rabana-Merquly Archaeological Project).

Abb. 2. Felsrelief von Rabana (Illustration: M. Brown/Rabana-Merquly Archaeological Project).  

Abb. 3. Statue von König ʾtlw/Attalos aus Hatra, der behauptete, von Natounia‘s gleichnamigem Gründer Natounissar abzustammen (Zeichnung: M. Brown/Rabana-Merquly Archaeological Project).  
Die Bergbefestigung von Rabana-Merquly in Irakisch-Kurdistan

Irak, 2019

 

Die Bergbefestigung von Rabana-Merquly in Irakisch-Kurdistan

Rabana-Merquly liegt an der südwestlichen Flanke des Berges Piramagrun im Zagros-Gebirge in Irakisch-Kurdistan. Der Fundort überblickt die Überschwemmungsebene des Charmaga-Flusses, einem wichtigen, linkseitig gelegenen Nebenfluss des Unteren Zab (antik Kapros). Die Befestigung besitzt einen äußeren Verteidigungsring, der die darin befindlichen Siedlungen im Rabana-Tal und auf dem südlichen Ende des Merquly Plateaus umfasst. Die über 100 Hektar große Fundstätte wird architektonisch durch eine Hauptphase bestimmt, welche in das 1. Jh. v. Chr. bis in das 1. Jh. n. Chr. datiert. Die Parther-zeitliche Bebauung kann als eine erweiterte Befestigung der umgebenden Berglandschaft angesehen werden (Abb. 1). Die Innenbesiedlung umfasst ein Heiligtum mit Felsarchitektur in Rabana und einer Zitadelle mit dazugehörenden Kasernen in Merquly.

Ein besonderes Merkmal von Rabana-Merquly sind die übereinstimmenden Felsreliefs, die in die jeweils an die Eingänge zu den intramuralen Siedlungen angrenzenden Felswände gehauen wurden. Sie repräsentieren einen unbekannten Herrscher (Abb. 2).

Ausgeprägte Ähnlichkeiten in der Kleidung zwischen diesen Figuren und der in Hatra gefundenen Statue eines Königs von Adiabene legen eine mögliche Identifizierung sowohl dieser Person (Natounissar) als auch der antiken Stadt (Natounia am Kapros) nahe (Abb. 3). Ihre genaue Zugehörigkeit bleibt bisher spekulativ, allerdings war Rabana-Merquly unter die Herrschaft des Partherreiches gefallen, das nahe der Grenze zwischen dem Vasallenreich von Adiabene und den Bergstämmen entlang der westlichen Peripherie der Satrapie von Medien lag. Als bedeutende Siedlung am Schnittpunkt zwischen Hoch- und Tieflandzonen spielte Rabana-Merquly durch militärischen Zwang und als Treffpunkt für den Handel wahrscheinlich eine wichtige Rolle bei der Regelung der Interaktionen mit den Stammesgruppen.

Laufende Untersuchungen in Rabana-Merquly erfolgen als Zusammenarbeit zwischen der Universität Heidelberg und dem Antikendienst Sulaimaniyah unter der Leitung von Michael Brown und Kamal Rasheed (Brown et al. 2020; 2018). Diese vervollständigen die Ergebnisse der Ausgrabungen in Merquly, die der Antikendienst Sulaimaniyah 2009 durchgeführt hat (Saber et al. 2014). Die Feldforschung im Frühjahr 2019 wurde großzügig durch Zuschüsse der Deutschen Orient-Gesellschaft und dem British Institute for the Study of Iraq gefördert. Die aktuelle Forschung (2019-2022) wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

 

Literatur

 

Kontakt

Dr. Michael Brown (m.brown@uni-heidelberg.de)