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Abb. 1: Ansicht des Fundplatzes von Südosten.

Abb. 2: Obere Hälfte des Stufenschnitts am Westhang.  

Abb. 3: Sasanidischer Mauerbefunde; die Webstuhlreste befinden sich vor dem linken (nördlichen) Profil.  

Abb. 4: Webgewichte aus Gird-î Qalrakh.  

Abb. 5: Abdruck eines Stempelsiegels mit mutmaßlicher Darstellung eines Ziegenfisches.   
Gird-î Qalrakh (Nordirak)

Irak, 2019

Ausgrabungen in Gird-î Qalrakh (Irakisch-Kurdistan)

 

Die Shahrizor-Ebene in der Provinz Sulaimaniyah im Nordosten des heutigen Irak ist seit mehreren Jahren zum Ziel zahlreicher internationaler Ausgrabungsvorhaben geworden. Abgeschirmt durch den schroffen Gebirgszug des Kara-Daǧ ist die Ebene nur an wenigen Stellen zugänglich und topographisch von den nordwest-südöstlich verlaufenden Bergketten des westlichen Zagros dominiert. Die Shahrizor-Ebene bietet einen Zugang zu zwei wichtigen Pässen in das nordwestiranische Hochland, welche zu allen Zeiten von wesentlicher geostrategischer Bedeutung waren.

Der kleine Fundort Gird-î Qalrakh befindet sich im Einzugsbereich des Wadi Shatwan, einem Zuflusses des Tanjero, eher in einer Randlage der Ebene. Die Fundstätte gliedert sich im Wesentlichen in einen zentralen, hohen Hügel (kurdisch: Gird) von rund 20 m Höhe und ca. 150 m Durchmesser, an den sich nach Süden und Osten eine Unterstadt und möglicherweise eine Begrenzungsmauer/Stadtmauer anschließen (s. Abb. 1). Die wissenschaftliche Zielsetzung des Projektes liegt in einer Erforschung der (lokalen) Keramikchronologie für die Shahrizor-Ebene von der Frühbronze- bis in die frühislamische Zeit, die bislang für diese Region ein Desiderat bildet. Die bisherigen Befunde und Beobachtungen am Gird-i Qalrakh legen eine nahezu ungebrochene chronologische Abfolge nahe, die für eine solche Sequenz wichtig ist. Mit Gird-î Qalrakh wird dabei bewusst kein urbanes Zentrum angegangen, sondern eine kleine, agrarisch geprägte Ansiedlung, in der mit einer größeren Zahl an lokaler, nicht-importierter Keramik zu rechnen ist. Außerdem können so eher Einblicke in das Siedlungs- und Wirtschaftsverhalten außerhalb der großen Städte gewonnen werden.

Bereits im Oberflächenbefund des Siedlungshügels zeichnete sich eine Nutzung mindestens ab dem frühen 3. Jt. vor bis in das 1. Jt. nach Christus bis in die frühislamische Zeit ab. Diese Annahme konnte durch einen Stufenschnitt bestätigt werden (Abb. 2), der vor allem substantielle Befunde aus der assyrischen und post-assyrischen Epoche erbracht hat. In den bisher unternommenen Kampagnen 2016, 2017 und 2019 wurde ferner ein Grabungsareal auf der Kuppe untersucht, in welchem überraschende Hinweise auf Textilproduktion aus sasanidischer Zeit freigelegt werden konnten. So fanden sich zwischen den verkohlten Resten eines vertikalen Webstuhls (Abb. 3) zahlreiche Webgewichte aus ungebranntem Ton (Abb. 4) und Fragmente von Siegelabrollungen von Stempelsiegeln mit teils starkem spätantikem Gepräge (Abb. 5). Dies weist auf eine überregional bedeutsame Textilherstellung hin, die an einem doch eher kleinen Fundplatz wie Gird-î Qalrakh eher unerwartet war und weitere Forschungen nach sich ziehen soll.

 

Literatur

D. Wicke, Results of the first two seasons of excavations at Gird-î Qalrakh, a local site in the Shahrizor-Plain (Iraqi-Kurdistan), in: A. Otto / M. Herles /K. Kaniuth (Hrsg,), Proceedings of the 11th International Congress of the Ancient Near East, Vol. 2. Wiesbaden 2020. 463-478.

 

Kontakt

Prof. Dr. Dirk Wicke (wicke@em.uni-frankfurt.de)