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Das Assur-Projekt: Alte Funde – Neue Ergebnisse

Irak,

Von 1903 bis 1914 konnte Walter Andrae im Auftrag der Deutschen Orient-Gesellschaft intensive Ausgrabungen in Assur, der ersten Hauptstadt und dem religiösen Zentrum des assyrischen Reiches vornehmen. Aufgrund der beiden Weltkriege und der darauf folgenden Zeit der deutschen Teilung, bei der auch die Funde aus Assur von der zugehörigen Funddokumentation getrennt waren, kam es nur zu einer partiellen Publikation der Ergebnisse.

Das Ziel des Assur-Projekts war eine möglichst umfassende Präsentation der bisher nicht publizierten Ergebnisse dieser Grabung der DOG unter der Leitung von Walter Andrae. Das Assur-Projekt, gemeinsam von der Deutschen Orient-Gesellschaft, dem Vorderasiatischen Museum und der Freien Universität Berlin konzipiert, konnte nach einer 1992 begonnenen Planungsphase die eigentliche Arbeit mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Jahre 1997 unter Leitung von Johannes Renger beginnen. Kontinuierlich wurden vier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Zeichnerinnen, Fotografinnen und Fotografen finanziert. Etwa 30 weitere Wissenschaftler aus ganz Deutschland und dem Ausland beteiligten sich an dem gemeinsamen Projekt. Darunter befanden sich auch zahlreiche Nachwuchswissenschaftler, die ihre Qualifikationsarbeiten im Rahmen des Assur-Projektes angefertigt haben. Das Assur-Projekt hatte zwei Anliegen: zum einen die Neubearbeitung der Großarchitektur (der Tempel und des Alten Palastes) mit der vollständigen Erfassung der darin gefundenen Keramik und Kleinfunde und zum anderen die monografische Publikation wesentlicher Fundgruppen und deren Verknüpfung mit anderen Fundplätzen in Assyrien und in Alt-Vorderasien. 

Das Assur-Projekt war das erste der großen Aufarbeitungsprojekte, die in jüngerer Zeit auch zu anderen bedeutenden Fundorten wie Ur, Nimrud oder Hasanlu aufgelegt worden sind. Die Basis für die Arbeit am Assur-Projekt war die äußerst umfangreiche und ausführliche Grabungsdokumentation Andraes und eine seit 1997 daraus entwickelte Access-Datenbank, in der nun ca. 44.500 Fundobjekte erfasst sind und die heute für weitere Forschungen zur Verfügung steht. Dabei barg die inzwischen 100 Jahre alte Grabungsdokumentation zahlreiche Probleme: Sie reflektiert den damaligen Stand der Grabungsmethoden sowie das stark baugeschichtlich geprägte Interesse und die Vorstellungen und Erwartungen der Ausgräber zu Beginn des 20. Jh.s. Zudem sind die Tagebücher, Pläne und Fotografien teilweise lücken- und schadhaft geworden. Insofern reichen sie nicht immer aus, Fragen, die sich heute stellen, in vollem Umfang zu beantworten. 

Notwendig war es vor allem, die zahlreichen Kleinfunde vollständig zu dokumentieren, weil dies in den ursprünglichen Publikationen durch Andrae und seine Mitarbeiter nur sehr eklektisch geschehen war. So wurden beispielsweise für den Alten Palast nur 40 Objekte von den insgesamt etwa zweitausend dort gefundenen genannt. Beim Anu-Adad-Tempel waren von den knapp 2500 dort geborgenen Stücken nur etwa 60 publiziert. Ähnliches gilt für den Assur-Tempel. Wichtig war auch die erneute Untersuchung der ca. 1.300 Gräber und Grüfte mit ihren zahlreichen Beigaben, denn diese sollten erstmals vollständig katalogmäßig erfasst und sämtlich in Abbildung im jeweiligen Grabzusammenhang dokumentiert werden. Der Grund für diese Zurückhaltung in den alten Assur-Publikationen ist zum einen darin zu suchen, dass für die Ausgräber baugeschichtliche Fragen einen sehr hohen Stellenwert hatten; zum anderen stand während der Grabung und auch in den Jahrzehnten danach Vergleichsmaterial zu den zahlreichen Kleinfunden und der Keramik aus anderen Fundorten kaum oder gar nicht zur Verfügung. Trotz der großen Anstrengungen konnten bislang immer noch nicht alle Fundgruppen berücksichtigt werden, sodass auch weiterhin Bereiche für zukünftige Arbeiten offen stehen.

Die Neubearbeitungen der Großbauten waren durch die exzellente Dokumentation der ausgebildeten Architekten und Bauforscher um Walter Andrae möglich. Die erneuten Auswertungen erbrachten neue Sichten auf die Architektur der jeweiligen Anlagen, vor allem in Bezug auf deren Baugeschichte. Des Weiteren konnte die detaillierte Dokumentation des Grabungsbefundes gegenüber den ursprünglichen Publikationen wesentlich ausführlicher in beigelegten Faltplänen und teils digital präsentiert werden. Und schließlich wurden alle zu einem Bauwerk gehörenden und in seiner unmittelbaren Umgebung gefundenen Kleinfunde vollständig in Katalogen und im jeweiligen Abbildungsteil im Kontext dokumentiert. 

Die Publikation der Texte aus Assur schritt ebenfalls voran: Weitgehend publiziert sind inzwischen die Rechts- und Verwaltungsurkunden aus mittel- und neuassyrischer Zeit (14.-7. Jh. v. Chr.). Hieran hat vor allem die unermüdliche Arbeit von Helmut Freydank einen großen Anteil, ohne dessen umfassende Kenntnis der assyrischen Urkunden aus Assur die Publikation des Urkundenbestandes nicht möglich gewesen wäre. Ein wesentliches Anliegen des Assur-Projektes war es, zusammen mit den Keilschriftkopien der zahlreichen Urkunden auch die auf den Tafeln abgerollten Siegel bzw. Abdrücke von Stempelsiegeln zu publizieren. Damit wird unsere Kenntnis der mittel- und neuassyrischen Glyptik über das bisher Bekannte hinaus deutlich vertieft. 

Die Texte aus dem Gelehrtenmilieu Assurs wurden von Stefan Maul und seinen Mitarbeitern in einer von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften geförderten Arbeitsgruppe in Heidelberg bearbeitet

Wenngleich die Hauptförderphase des Assur-Projektes inzwischen beendet ist und sechsundreißig Monographien und zahlreiche Aufsätze erschienen sind, befinden sich auch weiterhin Publikationen in Vorbereitung bzw. im Druck.

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