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Das Stadttor von Meggido. Foto von Golf Bravo.

Megiddo (Tell el-Mutesellim)

Israel, 1903-1905

Bereits wenige Jahre nach ihrer Gründung faßte die Deutsche Orient-Gesellschaft eine Ausweitung ihrer Tätigkeit auf Palästina ins Auge. Die Verwirklichung dieser Pläne führte zunächst zu der finanziellen Beteiligung an den Grabungen in Megiddo in den Jahren von 1903 bis 1905. Diese wurden vom Deutschen Verein zur Erforschung Palästinas durchgeführt, die wiederum den in Haifa ansässigen Baurat Dr. Gottlieb Schumacher mit der Leitung beauftragt hatte.

Gleichzeitig wurde eine Erkundungsreise zur Auswahl eines Grabungsortes beschlossen.84 Im Frühjahr und Sommer des Jahres 1903 bereisten H. Thiersch und G. Hölscher die südliche Levante, um im Auftrag des Vorstandes einen geeigneten Ort für ein weiteres archäologisches Forschungsunternehmen der Gesellschaft in Palästina auszusuchen. Ihr ausführlicher Bericht mit zahlreichen Empfehlungen wurde bald darauf veröffentlicht.85 Das sachliche Urteil ist erstaunlich und hat im Falle von Sichern (Tall Balāta) sicherlich mit der Aufnahme der Grabungstätigkeit auf diesem Ruinenhügel durch Ernst Sellin im Jahre 1913 beigetragen.

Antike Synagogen in Galiläa

Neben zahlreichen Ruinenstätten im Gebiet zwischen der phönizischen Küste und dem Südende des Toten Meeres besuchten Thiersch und Hölscher auch die antiken Ruinenstätten in Galiläa. Anscheinend ist es schon kurz nach der Reise zu einem Beschluß des Vorstandes, die Ruinen der galiläischen Synagogen näher zu erforschen, gekommen, denn eine Anmerkung in dem genannten Bericht weist ausdrücklich darauf hin, daß «eine besondere Untersuchung dieser kunstgeschichtlich interessanten Ruinen» in Aussicht genommen sei. Bereits im Frühjahr 1905 wurden Ernst Hillers, Heinrich Kohl und Carl Watzinger entsandt, um die Freilegung und Aufnahme der galiläischen Synagogen durchzuführen. Über die Arbeit vor Ort haben die drei Beteiligten in Briefform berichtet.86 Eine weitere Reise zur Überprüfung und Nachuntersuchung fand im Herbst 1907 statt, doch liegt darüber kein Bericht vor.

Die Veröffentlichung der Ergebnisse erfolgte dann in der Reihe WVDOG als Band 29 im Jahre 1916 unter den Namen von Kohl und Watzinger. Offensichtlich war an eine Beteiligung von Hillers an der Publikation von vornherein nicht gedacht. Letztlich hat dann Carl Watzinger die Drucklegung des Bandes von seiner Professur in Gießen aus alleine besorgt, da Heinrich Kohl am 26.9.1914 in Frankreich gefallen war, nachdem er sich noch im Frühjahr 1914 an der Technischen Hochschule in Hannover für Geschichte der Architektur habilitiert hatte. Der Archäologe Carl Watzinger hat auf den Bauforscher Heinrich Kohl in dem gemeinsamen Band einen ehrenden Nachruf verfaßt, aus dem auch die Arbeitsteilung und der Anteil beider Autoren hervorgeht: «die Zeichnungen hatte er im wesentlichen zu Ende geführt und zum Teil schon reproduzieren lassen, die Baubeschreibung war in vorläufiger Fassung auf Grund des von uns verfaßten Tagebuches von ihm zusammengestellt... (den) letzten Abschluß der Arbeit habe ich dann alleine durchführen müssen und auch nicht mehr die zusammenfassende Untersuchung über die historische Stellung der Synagogen ihm, wie beabsichtigt, vorlegen können. Die hier veröffentlichten Zeichnungen sind also sämtlich von Kohl, nach seinen und Hillers Aufnahmen, neu gezeichnet».
Die Erforschung der antiken Synagogen in Galiläa setzte ein mit dem Nestor der Palästinaforschung Edward Robinson im Jahre 1852. Weitere Untersuchungen wurden von Ernest Renan, C. W. Wilson, C. R. Conder und H. H. Kitchener in der 2. Hälfte des 19. Jhs. durchgeführt. Aber erst mit Hillers, Kohl und Watzinger be-
ginnt die systematische Erforschung dieser Denkmälergruppe. Sowohl die Bauaufnahme als auch die baugeschichtliche Untersuchung der galiläischen Synagogen setzen einen Maßstab, der für mehrere Jahrzehnte gültig war. Die Bedeutung dieser von der DOG veranlaßten Untersuchung in der Forschungsgeschichte wird auch heute noch anerkannt: «The Comprehensive research of Kohl and Watzinger in 1905 and 1907 is a fundamental work of unparalleled importance to this day regarding the buildings in the Galilée».87
Abgesehen von der Einleitung gliedert sich der Band in zwei Teile: «Beschreibung der Bauten» und «Zur historischen Stellung der galiläischen Synagogen». Der zweite Teil stellt grundlegende Erwägungen zum antiken Synagogenbau an. Dabei werden sowohl die einzelnen Elemente sowie der ornamentale und figürliche Schmuck als auch die Bauform als Ganzes näher untersucht. Zweifellos kam dem Verfasser die intime Kenntnis der Architektur Syriens in römischer Zeit zugute. Wenngleich der Versuch, die Synagogen in Galiläa in den Bereich der römisch-syrischen Architektur einzuordnen, im Ansatz grundsätzlich richtig ist, so sind doch zahlreiche Einzelheiten nach den intensiven Forschungen in den letz-
ten 90 Jahren als nur vorläufige Ergebnisse einzustufen. So hat sich die Annahme einer Empore in der weiteren Forschung nicht bestätigt. Auch kann die Synagoge vom galiläischen Typ kaum «als Mittelglied zwischen der heidnischen Basilika und der christlichen Kirche» angesehen werden, wenngleich eine eindeutige Ableitung der Bauform bisher nicht gelungen ist. Die grundsätzlich richtige Erkenntnis, daß diese Form der Synagoge einen eigenen Bautyp darstellt, hat der weiteren Forschung aber entscheidende Impulse vermittelt, doch kann die weitere Entwicklung der antiken Synagoge in diesem Zusammenhang nicht dargestellt werden.

Der Bauaufnahme ging die Freilegung der Gebäude voraus, wobei der Fundzustand in der Regel zeichnerisch und photographisch festgehalten wurde. Beschrieben werden aber auch die zahlreichen architektonischen Fundstücke wie Kapitelle, Gesimse, Türstürze, und Conchen. Insgesamt wurden folgende Synagogenbauten in Galiläa und auf dem Golan untersucht und beschrieben: Kafarnaum (Talhüm), Chorazin (Hirbat Karāza), Arbela (Hirbat Irbïd), Umm al-cAmad, Mērön (Mairün), Kafr Bircim (Barcām), Hirbat an-Nabratain, el-Guš Halav (Ğiš), ad-Dikka, Umm al-Qanātir und Hirbat Summāqa. Alle erforschten Synagogen gehören zum sog. Galiläischen Typ. Dieser ist gekennzeichnet durch einen Langraum mit dem Eingang an einer Schmalseite und drei Reihen Säulen parallel zu den Längsseiten und der dem Eingang gegenüberliegenden Schmalseite. Alle freigelegten Beispiele wurden insbesondere auf Grund des Bauschmuckes in das 2. bis 3. Jh. n. Chr. datiert.
Inzwischen hat sich der Bestand an antiken Synagogen in den jüdischen Siedlungsgebieten während der römischen und byzantinischen Epochen außerordentlich vermehrt.88 Aber auch an den galiläischen Synagogen wurde die Forschung weitergeführt. In Kafarnaum haben die Franziskaner unter der Leitung von S. Loffreda Nachgrabungen unternommen, und in Chorazin das Israel Department of Antiquities unter der Leitung von S. Yeivin. Auch in Umm al-cAmad hat eine neue Untersuchung durch die
Hebräische Universität Jerusalem unter der Leitung von L. I. Le vine stattgefunden. In einem umfassenden Projekt zur Erforschung der Synagogen Galiläas, geleitet von E. Meyers, wurden die Bauten in Mērön, an-Nabratain und Guš Halav (Ğiš) erneut ausgegraben, außerdem wurde die breiträumige Synagoge in Hor-bat Semac erstmals freigelegt. Dabei konnte über Kohl und Watzinger hinaus die Baugeschichte der einzelnen Synagogen festgestellt und die Datierung dieses Bautyps in die 2. Hälfte des 3. Jhs. n. Chr. gesichert werden. Den geänderten Grabungsmethoden entsprechend hat sich auch die Veröffentlichung der Ergebnisse insofern geändert, als nun alle Funde -insbesondere die für die Datierung unentbehrlichen Münzen und die Keramik - in die Untersuchung mit einbezogen werden. Unter Verwendung der Fundstücke wurden die Synagogen in Kafarnaum, Chorazin und Ğiš (Guš Halav) teilweise rekonstruiert (Abb. 119. 120).

 

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