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Eine Gruppe der üblichen Wirtschaftstexte kleinen Formats.

Die 9,4x5x2,4 cm große Tontafel, die im Jahre 1992 gefunden wurde und den Beweis für die Gleichsetzung von Tall Bi'a mit der altorientalischen Stadt Tuttul lieferte. Es handelt sich um eine Abrechnung über umfangreiche Getreidelieferungen aus Tuttul und Serda, bestimmt für den «Kornspeicher von Tuttul», «für die Mahlzeiten des Königs», «für die Verpflegung des Palastpersonals», «als Tierfutter» und «für die Saat».  
Tuttul. Ausgrabungen in der Stadt des Gottes Dagan

Syrien, seit 1980

Die überwiegende Mehrzahl der im Verlauf der Ausgrabungen in Tall Bïca geborgenen ca. 370 altorientalischen Schriftfunde stammt aus dem altbabylonischen Palast A und dessen engster Umgebung. Die Objekte wurden nicht in ursprünglichen, sondern nur in sekundären Kontexten angetroffen: auf oder zwischen Fußböden, im Füllmaterial von Mauern, Bänken, Podesten oder im Abfall. Hieraus erklärt sich auch ihr oft schlechter und fragmentarischer Erhaltungszustand. In einigen Fällen handelte es sich um Horte zeitlich und inhaltlich eng zusammmen-gehöriger Texte. Viele Tafeln und beschriftete Tonetiketten tragen Siegelabrollungen; ca. 30 der dazu verwendeten Siegel waren mit einer Inschrift des Besitzers versehen.

Chronologisch lassen sich die Funde in drei Gruppen einteilen: eine ältere und eine jüngere altbabylonische sowie eine nach-altbabylonische.

Die erste Gruppe besteht im wesentlichen aus einem Hort von 48 Tafeln, der im Schutt an der Außenseite der östlichen Palastmauer gefunden wurde. Dieser Gruppe sind wahrscheinlich auch einige Tafeln aus dem Palast selbst zuzurechnen. Sie umfaßt neben Wirtschaftstexten auch einen mit gesiegelter Hülle versehenen Brief urkundlichen Charakters, in dem es um Beuteanteile geht. Unter den beteiligten Personen ist ein gewisser Jachdun-Lim, dessen Identität mit dem gleichnamigen König von Mari jedoch nicht sicher ist. Die Wirtschaftstexte umfassen Listen, in denen meist Gruppen von 10 Personen nebst ihren mutmaßlichen Aufsehern zusammengefaßt sind, sowie Buchführungen über Schafe und Rinder. Keiner der Texte trägt ein Datum. Die Textgruppe dürfte kurz vor bis in die Regierungszeit Jachdun-Lims zu datieren sein.

Die zweite Gruppe und damit die große Mehrzahl der Textfunde stammt aus der Regierungszeit Jasmach-Adads. Die meisten tragen ein Datum nach dem assyrischen System; auf die restlichen darf man den zeitlichen Ansatz wohl übertragen. Es kommen 17 verschiedene Jahreseponymen vor, die weitestgehend mit den in Mari bezeugten übereinstimmen. Zwei Texte fallen jedoch aus diesem Rahmen: sie tragen bisher unbekannte Jahresnamen sowie Monatsnamen des Mari-Kalenders. Der eine Jahresname lautet «Jahr, in dem Zimri-Lim Tuttul betrat»; er könnte sich auf ein Ereignis während der Rückeroberung Maris durch Zimri-Lim beziehen. Anscheinend ist der Palast nur bis zum Ende der assyrischen Herrschaft genutzt worden, so daß Zimri-Lims Gouverneur La-nasûm anderswo residiert haben muß.

Die meisten der jünger-altbabylonischen Tontafeln sind Verwaltungstexte verschiedener Art. Eine der größten und am besten erhaltenen Tafeln bucht beispielsweise Getreideeingänge von «Pflügern» aus Tuttul und dem zu Tuttul gehörigen, im Balïh-Tal gelegenen Serda."7 In anderen Texten wird ein «großer Getreidespeicher von Tuttul» erwähnt. Reichlich vertreten sind Zuteilungen von Lebensmitteln (Gerste und Bier) und Tierfutter. Einige dieser Texte betreffen die Verpflegung des Königs und des Heeres in Tuttul und lassen sich einem konkreten, auch durch Mari-Briefe dokumentierten Aufenthalt Jasmach-Adads in Tuttul zuordnen, der nunmehr exakt (relativ) datiert werden kann. Andere Zuteilungen gehen an die Besatzung einer «Festung» in Tuttul. Häufig sind Zuteilungen an Boten und andere Reisende. Ein Einzelstück von formalem, inhaltlichem und sprachlichem Interesse ist eine Tabelle mit Gerstezuteilungen an Lulluäer-Haushalte (ihr Herkunftsland liegt in den Zagros-Bergen östlich Assurs!). In Futterzuteilungen kommen neben Schafen und Rindern auch Geflügel und Strauße vor; ein Text bucht Gerste für 300 Vögel, die nach Mari transportiert wurden. Von der Viehzucht zeugen auch etwa 90 beschriftete Tonetiketten. Sie verzeichnen jeweils eine tote Kuh, oft mit Altersspezifikation, sowie den Hirten, einen oder zwei für den Transport zuständigen Beamten und das genaue Datum. Viele Stücke stammen jeweils vom selben Tag. Alle sind mit dem Siegel eines der Beamten gesiegelt. Offenbar wurden die Etiketten vor dem Transport in die Stadt an den Tierhäuten befestigt. Von den sonstigen Wirtschaftstexten seien als bemerkenswerte Einzelstücke noch zwei Zuteilungslisten erwähnt: nach der einen erhalten Hirten Mühlsteine, die andere verbucht Schafe und Tische für Opfer an verschiedene Gestirne.

Der großen Mehrzahl von Wirtschaftstexten stehen nur wenige, meist fragmentarische Briefe gegenüber, ferner zwei Multiplikationstabellen und, als einziger «literarischer Text», eine Beschwörung in hurritischer Sprache. Diese dupliziert eine der wenigen in Mari gefundenen hurritischen Beschwörungen, die etwas schlechter erhalten ist, und steuert eine dort fehlende akkadische Unterschrift bei, die den Text als Beschwörung gegen eine Hautkrankheit ausweist. Der Fund stellt eine willkommene Ergänzung des schmalen Bestandes noch kaum verständlicher hurritischer Texte aus altbabylonischer Zeit dar.

Die nach-altbabylonische Fundgruppe besteht nur aus zwei fragmentarischen, gesiegelten Tafeln, wahrscheinlich Urkunden, die in spätbronzezeitlichen Schichten gefunden wurden.
 

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