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Palast A : Blick von Norden; im Vordergrund der östliche Teil des Thronsaales O, dahinter der Hauptsaal Q mit der Cella R und die Tür zum Seitenraum Y; im Hintergrund die Stadtmauer und das Flußtal.

Palast A: Abschnitt der Skelettgrube über der Palastgruft.  

Grundriß des Palastes A: Nutzungsphase als Repräsentationsgebäude.  
Tuttul. Ausgrabungen in der Stadt des Gottes Dagan

Syrien, seit 1980

Palast A als Repräsentationsgebäude der Herrscher von Tuttul

Die beschriebenen Schichten am Südhang des Zentralhügels sind stellenweise gestört durch tiefreichende Fundamentgräben, die man anlegte, als zu einem noch nicht genauer bekannten Zeitpunkt ein neuer Palast (A) mit einer Grundfläche von etwa 41,5 x 46,80 m erbaut werden sollte. Dieses Bauwerk verdient vor allem deshalb unsere Aufmerksamkeit, weil es in einer ganz anderen Tradition steht als der Palast B. Seine nächste Parallele findet sich nämlich in der weiter südlich am Euphrat gelegenen Stadt Mari in Mittelmesopotamien, deren Archive viel über Tuttul und die gegenseitigen politischen Beziehungen beider Städte berichten.

Der Palast ist auf den soliden Fundamenten außerordentlich sorgfältig erbaut worden. Allerdings wurde er offensichtlich nicht in einem Zuge vollendet. Vielmehr führten uns unbekannte Ereignisse zu einer Unterbrechung, während der die halbhohen Wände der Witterung Ausgesetzt waren und bei der Wiederaufnahme der Arbeiten ausgeflickt werden mußten. Der mit zwei Türmen versehene Haupteingang lag im Norden. Von dort erreichte man einen großen Hof und über diesen den länglichen Saal O, der an der östlichen Schmalwand mit einem Podest ausgerüstet war, auf dem wahrscheinlich der Herrscher von Tuttul anläßlich seiner Dienstgeschäfte saß, während seine Beamten und Besucher auf den Bänken an den Längsseiten Platz nahmen. Hinter diesem Audienzsaal befand sich ein zweiter, sehr großer Saal (Q) mit einer Gruft unter dem Fußboden und einem kleinen Nebenraum im Osten (R). Hierbei handelt es sich um einen mehr internen Bereich der Anlage, dessen Zugangssituation nicht in allen Phasen klar ist, da der westliche Nebeneingang des Palastes nur noch zum Teil und der gesamte südwestliche Bereich des Bauwerks lediglich in den Fundamenten erhalten war. Die Raumgruppe im Nordwesten hat einen hausartigen Grundriß um den Hof E, der am ehesten zum Wohnen genutzt wurde.

Palast A in späterer Nutzung

Sehr lange hat der Palast in seiner ursprünglichen Funktion nicht existiert. Die Gruft wurde anscheinend nie zum Bestatten verwendet, vielleicht auch baulich nicht fertig. Die Seitenwände des ausgemauerten Schachtes kippten nach innen um, und es bildete sich eine große, unregelmäßig geformte Grube. Diese wurde dann zum Massengrab für die Opfer eines kriegerischen Ereignisses. Der hier geborgene, außerordentlich interessante Befund wurde von Dr. Wanda Wolska bereits vorläufig gesichtet. Ihre Ergebnisse sollen kurz zusammengefaßt werden:

Das Massengrab ist offensichtlich in zwei Etappen belegt worden. Im unteren Niveau handelt es sich um vollständige Skelette, von denen einige in der rituellen Hockerstellung deponiert, andere mehr oder minder sorgfältig nebeneinandergelegt und weitere achtlos hingeworfen worden sind. Darüber waren - gewiß erst zu einem späteren Zeitpunkt - Teile von Skeletten oder einzelne Schädel deponiert worden. Diese hatte man wahrscheinlich im Gebiet des Palastes aufgesammelt, als dieser für eine weitere Nutzung wieder hergerichtet werden sollte. In verschiedenen seiner Räume hatten wir früher schon mehrere Skelette von eilig verscharrten Toten gefunden, die wohl zu den Betroffenen derselben Katastrophe gehörten. Weder sie noch die Leichen in der Grube besaßen irgendeine Beigabe, auch fanden sich keine Reste von Körperschmuck oder Waffen. Insgesamt umfaßt der Befund die Skelette von etwa 80 Individuen. Auf Grund der anthropologischen Untersuchung handelt es sich bei den unvollständigen Leichen der oberen Schicht wohl vorwiegend um Mitglieder der Zivilbevölkerung mit Männern, Frauen und Kindern verschiedenen Alters, bei den vollständigen Skeletten im unteren Bereich der Grube um die von Soldaten, Männern mit kräftigen Muskeln, bei denen sich gelegentlich mehrfache, zum Teil verheilte Verwundungen feststellen ließen. Auch zwei Schädeltrepanationen wurden bei Todesopfern aus der Grube und dem gleichzeitigen Palastbereich beobachtet." Die abdeckende aschehaltige Schuttschicht der Grube enthielt unter anderem Tontafelfragmente und Tonverschlüsse mit Siegelabrollungen aus der Zeit des Schamschi-Adad. Eine genauere Datierung der kriegerischen Auseinandersetzung ist jedoch daraus nicht herzuleiten, da der Schutt mit Sicherheit von einer anderen Stelle hierher gebracht worden ist.

Der altbabylonische Palast von Tuttul ist dann zu einem späteren Zeitpunkt nochmals Ort einer kriegerischen Bedrohung geworden. Dies bezeugen zahlreiche Skelette von nicht rituell bestatteten Toten unmittelbar außerhalb seiner östlichen Außenmauer. Ihrer anthropologischen Untersuchung sehen wir mit Interesse entgegen. Ein Vergleich mit den Opfern aus der Grube dürfte unter verschiedenen Aspekten wichtige Aufschlüsse geben.

Zur Zeit der jüngeren Nutzung hat das alte Palastgebäude zahlreiche Um- und Einbauten erlebt. Türen wurden zugemauert, andere in das Mauerwerk hineingeschlagen. Es wurden kleine Räume eingebaut, im Saal Q stand ein großer Ofen, an anderen Stellen gab es zahlreiche der bekannten Brotbacköfen vom tannür-Typ, wie sie heute noch zur Herstellung von Fladenbrot verwendet werden. Besonders wichtig sind die Tontafeln, die vor allem in der Nordostecke am ehemaligen großen Hof B gefunden wurden und die unter anderem auch Hinweise auf die Administration liefern. Während es aus der eigentlichen Palastphase so gut wie keine Fundobjekte gibt, sind die Hinterlassenschaften aus der Zeit der Nachnutzung durch Handwerk und Wirtschaft weitaus reichhaltiger.

Schließlich ist auch dieser Palast verfallen. Auf seinem Ruinengelände entstanden einfache Wohnhäuser in drei Schichten übereinander, ehe die Stadt Tuttul ganz verlassen wurde.

 

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