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Modell der Stadt Habuba-Süd nach einem Entwurf von Wido Ludwig, Blick nach Norden. Im Vordergrund das lokale Verwaltungszentrum im Tall Qannās. Nur die dunklen Gebäude sind im Grundriß gesichert. Obwohl einiges heute anders rekonstruiert werden müßte, gibt das Modell einen anschaulichen Eindruck davon, wie die Stadt einst ausgesehen haben mag.

Verteilung der häufigsten Haustypen. Ein «Anwesen» (im Sinne einer sozio-ökonomischen Einheit) kann aus der Kombination mehrerer Häuser bestehen, so beispielsweise aus einem «Mittelsaalhaus» und zwei Einzelsaalbauten. Rot markiert sind die ein-, respektive beidseitig raumflankierten Saalhäuser, mit oder ohne Kopftrakt, blau die der Repräsentation oder dem Wohnen dienenden Einzelsaalbauten, hellblau die als Kapellen gedeuteten Bauten, braun die großen Werkstatt- oder Lagerräume, grün Häuser ohne prononcierten Hauptraum, hellgrün die Gebäude mit Hof und zwei vorgeschalteten Räumen.  
Habuba Kabira. Ein Handelszentrum am mittleren Euphrat

Syrien, 1969-1975

Habuba-Süd führt zurück in das späte 4. Jt. v.Chr., jene Epoche, in der die Schriftkultur in Vorderasien entstand. Sie wird in Mesopotamien nach der einstigen Metropole Uruk benannt. Wesentliche technologische und kulturelle Leistungen verbinden sich mit ihrem Namen: in der Verwaltung der Schritt von «Zählsteinen» («calculi») aus Ton zu auf Tontafeln geritzten Zeichen, das heißt die Erfindung der Schrift, in der Beurkundung von Eigentum die Erfindung von Rollsiegeln, in der Technologie die Durchsetzung der schnell drehenden Töpferscheibe und des Rades, in der Baukunst differenzierte Stadtbefestigungen, Kultbauten und Wohnhäuser, in der Bildkunst Monumentalwerke der Relief- und Rundbildnerei, in der Gesellschaft eine
deutliche Spezialisierung in Berufen und Funktionen, in der Siedlungsstruktur die Herausbildung großer Städte.

Ketten von Stationen, kleineren und größeren Siedlungen säumten zu dieser Zeit die Handelswege vom rohstoffarmen Südmesopotamien hin zum Nordwesten, euphrataufwärts bis in die heutige Türkei. Die Stadt von Habüba-Süd war eine derartige Station auf dem Weg von Mesopotamien nach Anatolien. Für ihre Spätzeit liegen Radiocarbondaten von 3290-2920 v.Chr. bis 3030-2910 v.Chr. vor; hinzu kommt eine Probe aus der gleichzeitigen Bauschicht des Tall Habüba (Ost-1) mit 3340-3030 v.Chr.98 Die Daten decken sich in etwa mit denen vom regionalen Zentrum auf dem Gabalc Arüda (siehe unten). Habüba-Süd existierte nur kurze Zeit. Maximal drei Bauschichten konnten festgestellt werden. Der Ort wurde offenkundig friedlich aufgegeben, vermutlichals Folge einer Blockade des Handelsweges nach Süden.

Während in Uruk seit Grabungsbeginn im Jahr 1912 schwerpunktmäßig Monumentalbauten freigelegt wurden und entsprechend der Bedeutung dieser Metropole Kunstwerke höchsten Ranges zutage kamen, liegt die Besonderheit von Habuba-Süd darin, daß hier großflächig eine befestigte Wohnsiedlung erforscht wurde. Zahlreiche Aspekte des Alltagslebens treten uns vor Augen, auch grundlegende Wesenszüge der Architektur, da wir wiederholt Idealvorstellungen zur Bauplanung nachvollziehen können. Manche Häuser enthielten noch fast vollständig ihr einstiges Inventar, soweit es nicht aus vergänglichen Materialien bestand.

Das städtische Verwaltungs- und Kultzentrum war in den unteren Schichten des Tall Qannās verborgen. Die Region wurde aber offensichtlich nicht von Habüba-Süd aus verwaltet, sondern von einem großen Gebäudekomplex auf dem nördlich gelegenen Bergmassiv Ğabal cArüda. Er ist von einer holländischen Expedition ausgegraben worden. Weitere Uruk-Orte lagen in der Umgebung: so in Tall al-Hağğ, Tall Hadldl und Tall Šaih Hasan, letzterer auf dem Ostufer des Eu-phrats und in die mittlere Phase der Uruk-Zeit hinabreichend. Bei Begehungen im Euphrattal konnte ein regelmäßiger Abstand von 5,5 km zwischen den einzelnen Stationen dieser Zeit festgestellt werden, doch zahlreiche von ihnen müssen als völlig zerstört gelten.

Siedlungsanlage

Habuba-Süd wurde unter dem Zeitdruck einer Notgrabung erforscht; zwar war es möglich, auf einer Länge von rund 900 m direkt unter der Oberfläche Baustrukturen zu erfassen, jedoch mußte darauf verzichtet werden, überall vollständig bis auf die Gründungsebene beziehungsweise darunter liegende Schichten hinabzugraben, um das Ziel einer möglichst weitflächigen Klärung nicht aus den Augen zu verlieren. Aus diesem Dilemma resultieren mitunter Schwierigkeiten bei der Interpretation der Baubefunde.

Die Siedlung erstreckte sich als schmaler Streifen auf dem Rand der untersten westlichen Euphrat-Terrasse - flußnah, aber ungefährdet vom Hochwasser. Sie war zunächst unbefestigt, dann von einer Umfassungsmauer geschützt.

 

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