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Fragment von einer Scheuklappe aus Elfenbein. Einziges Fundstück, das den Bildhauer Thutmose mit Namen und Bildhauertitel nennt.

Büste eines Königs aus einer anonymen Bildhauerwerkstatt in Amarna. Es ist umstritten, ob hier Echnaton oder einer seiner in Amarna regierenden Nachfolger dargestellt ist.  
Die Ausgrabungen in Amarna

Ägypten, 1911-1914

Die Grabung begann in der Nähe des Expeditionshauses. Bald stellte sich heraus, daß die zuerst freigelegten Häuser an der östlichen Seite einer 60 m breiten Straße lagen, die von NO nach SW verlief. Die Ausgräber blieben auf der Ostseite der Straße und folgten ihrem Verlauf 500 m weit nach Norden durch die Planquadrate M 51 bis O 49. Hier und in L 48 und M 47 wurden 1911 rund 80 Häuser verschiedener Typen freigelegt; die Ausgrabung erfolgte sehr schnell, so daß die Architekten mit der zeichnerischen Aufnahme der Häuser zurückblieben. Im Frühjahr 1911 zählten die Ausgräber nur ein Drittel der in späteren Kampagnen gemachten Kleinfunde. Als Borchardt später dieses Mißverhältnis bemerkte, sprach er von einem Zufall. Die Erklärung ist aber eher darin zu suchen, daß Borchardt in der 1. Kampagne die Hausruinen mit großer Eile freilegen ließ und die Kleinfunde daher zum größten Teil liegenblieben.

Die 2. Kampagne begann im November 1911 und endete im März 1912. Jetzt legte man auch Häuser auf der Westseite der großen Straße frei, der man den Namen «Oberpriesterstraße» gab, nach dem hier gefundenen Gehöft eines Priesters. In O 49.13 machte die Expedition den Einzelfund eines Kopfes von einer Prinzessinnenstatue. Borchardts Kommentar in MDOG 50 bietet ein Beispiel für die seinerzeit und noch heute nachwirkenden Vorurteile der Ägyptologen über die Dekadenz der Amarnazeit und insbesondere ihrer königlichen Protagonisten: «Daß der König, wie seine sämtlichen Bilder ... (zeigen), einen stark, vermutlich krankhaft deformierten Hinterkopf hatte, dürfte bekannt sein. Bei seinen Töchtern . . . war diese Eigentümlichkeit fast noch mehr ausgebildet ...». Ägyptologen und Anatomen haben diese Thematik noch Jahrzehnte später diskutiert. Vor 30 Jahren konnte der Anthropologe Kurt Gerhardt diese Frage in dem Sinn schlüssig entscheiden, daß die Schädelform Echnatons und seiner Töchter zwar auffallend ist, aber weder auf eine Krankheit, noch auf eine künstliche Deformierung zurückgeht.

Im Gehöft P 49.6 fanden die Ausgräber Gesteinsabfälle, Kupfermeißel, Köpfe von Steinbohrern sowie unfertige Werkstücke, offensichtlich Überreste aus einer Bildhauerwerkstatt. Ein populär gewordenes Fundstück aus P 49.6 ist eine Konigsbüste (Abbildung rechts), vielleicht eine Darstellung Echnatons oder Tutanchamuns, unter dem Amarna verlassen wurde.

In die 3. Kampagne, von November 1912 bis März 1913, fällt die Freilegung des Gebäudekomplexes P 47.1-3, der sich als Bildhauerwerkstätte herausstellte und rund 400 Fundstücke lieferte. Im Haupthaus P 47.2 stießen die Ausgräber am 6. Dezember auf den kunstgeschichtlich wichtigsten von allen in Amarna gemachten Funden, ein Depot von Bildnisköpfen der königlichen Familie aus Stein und Stuck, darunter die lebensgroße und bemalte Büste der Königin Nofretete; weitere Stuckbildnisse stellen nichtkönigliche Personen dar.

Als Besitzer des Haupthauses P 47.2 identifizierte Borchardt den «Oberbildhauer Thutmose». Dabei stützte er sich auf die Inschrift eines elfenbeinernen Gegenstandes, den er als «Deckel» fehldeutete. Tatsächlich handelt es sich um eine zerbrochene linke Scheuklappe. Das Bruchstück trägt einen Text, der den «Bildhauer Thutmose» nennt. Aus dem Fundstück läßt sich für Thutmose der Besitz von mindestens zwei Pferden und des dazugehörenden Wagens ableiten, was diesen Bildhauer wider ägyptologisches Erwarten als Mitglied der gesellschaftlichen Oberschicht ausweist.

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