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Einzelgruft mit Skeletten, die bei nachfolgenden Bestattungen beiseitegeschoben wurden.

Doppelbestattung in der jümgeren Gruftreihe der Nekropole  
Ausgrabungen im Hamrin-Stauseegebiet

Irak, 1978-1980

Zwei nahe beieinander liegende Hügel von geringen Dimensionen enthielten die Überreste einer kleinen dörflichen An-siedlung (Hügel A: ca. 60 x 40 m, Höhe: 1,5 m) und ihrer außerhalb gelegenen Nekropole (Hügel B: ca. 75 x 30 m, Höhe 0,5 m).

In Hügel A konnte der Nachweis erbracht werden, daß sich hier einst eine zweiphasige Siedlung von jeweils fünf bis sieben Einzelgehöften befand, deren Bewohner allem Anschein nach vorwiegend Landwirtschaft betrieben. Hierauf geben zahlreiche Flintklingen, die als Sicheleinsätze dienten, einige Mahlsteine und mehrere tönerne Spinnwirtel eindeutige Hinweise. Keramik wurde in erheblichen Mengen, meist jedoch in fragmentarischem Zustand gefunden. Die Hauptgruppe besteht aus professionell auf der schnelldrehenden Töpferscheibe hergestellten Gefäßen, darunter charakteristische Leitformen der Frühdynastisch I-Zeit, wie sie auch aus dem babylonischen Raum seit langem bekannt sind («solid footed goblets», «Blumentöpfe», mono-oder polychrom bemalte «scarlet wäre»).Eine regionale Besonderheit stellen frei aufgebaute und mit grobem Häcksel gemagerte, sackförmige Vorratsgefäße dar, deren Gefäßkörper häufig mit plastischen Bändern und Schleifen verziert sind. In mehreren Fällen befanden sich auf den Rändern und Schultern solcher Gefäße Rollsiegelabrollungen mit meist geometrischen Mustern.
40 m weiter westlich lag die Nekropole (Hügel B). Hier wurden auf einer Fläche von 2600 m2 insgesamt 48 Lehmziegelgrüfte mit 59 Kammern freigelegt und untersucht (Abb. 47). Die Nekropole konnte damit vollständig erfaßt werden.
Die überwiegende Anzahl der Grüfte besteht aus nur einer Kammer. Grüfte dieser Art waren in parallelen Reihen an-einandergebaut. Im Nordwesten und im Südteil der Nekropole befanden sich hingegen einige freistehende Grüfte, darunter zwei mit vier und eine mit zwei Kammern. Als Baumaterial dienten luftgetrocknete Lehmziegel. Die einst zweifellos vorhandenen oberirdischen Gruftpartien
sind heute nicht mehr erhalten. Möglicherweise standen sie nur bis zu 1,5 m hoch an und besaßen ein flach eingedecktes Dach. Auf letzteres deuten Reste von Schilfmatten und Stampflehm in einer Gruft hin.
In den einzelnen Kammern schwankt die Zahl der Bestattungen mit einem bis zwölf Skeletten erheblich. Die Toten wurden in Hockerposition auf den Gruftböden niedergelegt und mit Beigaben versehen. Fanden Mehrfachbestattungen statt - und dies war in den Einzelgrüften und in der ältesten Gruftreihe die Regel -, wurden die älteren Skelette und Beigaben zuvor beiseite geschoben, so daß bei der Ausgrabung nur der zuletzt beigesetzte Tote in seiner ursprünglichen Position vorgefunden wurde.
Hierfür gibt der Befund in einer großen Einzelgruft mit zwei Kammern im Nordwesten der Nekropole ein aufschlußreiches Beispiel: Die nördliche Kammer enthielt die Überreste von insgesamt neun Individuen sowie zahlreiche Bei-
gaben, darunter mehrere polychrom bemalte Gefäße der «scarlet wäre» und fünf Alabastergefäße. Nur eines dieser Skelette befand sich in ursprünglicher, rechtsseitiger Hockerposition, und nur ihm ließen sich Beigaben eindeutig zuordnen (Abb. 48), während es sich in den übrigen Fällen um nicht mehr intakte Bestattungen handelte. Offenbar waren dem bereits ältere Umbettungen vorausgegangen, denn vom Durchgang zur südlichen Kammer bis zu deren gegenüberliegender Wand war der Fußboden auf breiter Fläche dicht mit zerbrochener Keramik, vermischt mit Skeletteilen, bedeckt. Nur die Schädel scheinen eine etwas sorgfältigere Behandlung erfahren zu haben, denn fünf von ihnen waren gemeinsam mit den Scherben eines größeren Topfes abgedeckt worden. Ein ganz anderes Bild bot sich in den jüngeren Gruftreihen im Ostteil der Nekropole, wo intakte Einzel-und (seltener) Doppelbestattungen die Regel waren (Abb. 49a.b).
Die Gesamtzahl der geborgenen Skelette bzw. Skelettfragmente betrug ca. 120. Anhand der Ergebnisse der anthropologischen Untersuchung kann grundsätz-
lich wohl von einer nach Alter und Geschlecht ausgeglichenen Verteilung ausgegangen werden; das Fehlen von Säuglingsskeletten scheint aber darauf hinzudeuten, daß Kleinkindbestattungen an anderen Stellen vorgenommen wurden. Eine vorläufige paläodemographische Schätzung ergab für die Nekropole einen Belegungszeitraum von 80-120 Jahren. Ein entsprechender Zeitansatz wäre dann auch für die dazugehörige Siedlung in Hügel A zu erwägen.
 

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